Alle Dinge sind am Fließen



Wenn ich den schwebenden, wabernden Nebel betrachte, dann sehe ich die stetige Veränderung in allen Dingen. Die Dinge, die Phänomene sind am Fließen. Es ist ein wunderbares, kontinuierliches Fließen, in dem alles miteinander verbunden ist. Genau inmitten dieser unbeständigen Veränderung können wir unsere eigene wahre Natur von Nicht-Geburt und Nicht-Tod erkennen.


Dieses Fließen, diese stetige Veränderung nennen wir Unbeständigkeit. Doch die Grundlage für die Unbeständigkeit ist die Beständigkeit. Unser Leben besteht aus einer Kette von Tagen und Nächten, von Geburt und Tod. Die Grundlage von Geburt und Tod ist die Natur von Nicht-Geburt und Nicht-Tod, welche in allen Menschen gegenwärtig ist. Wo müssen wir also suchen, wenn wir die Beständigkeit finden wollen? Die Beständigkeit liegt inmitten der Unbeständigkeit. Wir müssen also das Tod-lose in Geburt und Tod suchen.


Betrachten wir ein Rad und eine Radachse. Das Rad kann sich drehen und sich dadurch fortbewegen dank der Radachse, die jederzeit still steht.


Der Buddha benutzte das Bild des Ganges, um die Natur von Nicht-Geburt und Nicht-Tod in allen Lebewesen zu erläutern. Dem Surangama-Sutra zufolge hörte der König Bimbisara jemanden sagen, dass der Tod ein vollkommenes Ende bedeute. Er zweifelte an dieser Aussage und ging zum Buddha, um ihn zu befragen. Der Buddha sagte zum König Bimbisara, dass dieser, als er drei Jahre alt war, den Fluss Ganges gesehen habe. Bis heute, als Bimbisara bereits weiße Haare und Falten im Gesicht habe, konnte er stets den Ganges sehen. Obwohl sich der Körper von Bimbisara verändert habe, ist das Sehen immer noch das Gleiche. Dasjenige in uns, was sieht, sei nicht alt, nicht jung, verändere sich nicht, wurde nie geboren und werde niemals sterben.


Dank dieser Worte des Buddha konnte der König Bimbisara zum ersten Mal seine eigene wahre Natur von Nicht-Geburt und Nicht-Tod erkennen.


  • - Thay Phap Nhat

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